Individueller Sanierungsfahrplan erstellen: Workflow, Software und Bonus-Regelungen (Stand 2026)
Individueller Sanierungsfahrplan erstellen: Workflow, Software-Tools, rechtliche Anforderungen und iSFP-Bonus. Praxisleitfaden für Energieberater (Stand…
Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) ist seit 2017 das zentrale Instrument der BAFA Energieberatung für Wohngebäude. Er strukturiert die energetische Modernisierung in technisch und wirtschaftlich sinnvolle Etappen und berechtigt Eigentümer zu einem zusätzlichen Förderbonus von 5 Prozentpunkten bei der Umsetzung empfohlener Maßnahmen über KfW oder BAFA. Stand 2026 sind rund 180.000 iSFP jährlich in Deutschland erstellt worden (Quelle: BAFA-Jahresbericht 2025).
Für zertifizierte Energieberater bedeutet die iSFP-Erstellung einen strukturierten, aber regulatorisch anspruchsvollen Workflow: Vor-Ort-Aufnahme, Berechnungen nach DIN V 18599 oder EnEV-Bilanzverfahren, Maßnahmen-Priorisierung, Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und Dokumentation in einem BAFA-konformen XML-Export. Dieser Artikel beschreibt den vollständigen Prozess, nennt Software-Anforderungen und zeigt, wie FörderCheckPro als Fördermittel-Berechnungstool den iSFP-Workflow ergänzt – ohne selbst eine iSFP-Erstellungssoftware zu sein.
Welche Software-Lösungen unterstützen die Erstellung eines individuellen Sanierungsfahrplans?
Die Erstellung eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) erfordert normkonforme Berechnungen nach DIN V 18599 oder DIN V 4108-6 sowie eine strukturierte Dokumentation gemäß den BAFA-Vorgaben für Energieberatung Wohngebäude (Stand 2026). Professionelle Energieberater setzen deshalb auf zertifizierte Software-Lösungen, die den gesamten Workflow von der Datenerfassung vor Ort bis zur Übergabe des fertigen iSFP-Dokuments abbilden.
Marktführende Tools wie Hottgenroth energieberater 18599, EVEBI oder ZUB Helena bieten vorkonfigurierte iSFP-Module, automatisierte Fördermittelchecks und direkte Schnittstellen zur BAFA-Plattform. Diese Programme berechnen nicht nur den Ist-Zustand und potenzielle Effizienzhaus-Standards (40, 55, 70, 85, Denkmal), sondern generieren auch variantenreiche Sanierungsfahrpläne mit Kosten-Nutzen-Analysen für Einzelmaßnahmen und Maßnahmenpakete. Laut einer Erhebung des Bundesverbands der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands (eaD) nutzen über 85 % der BAFA-gelisteten Energieberater mindestens eine dieser drei Plattformen (Stand Q1 2026).
| Software | Zielgruppe | Besonderheit |
|---|---|---|
| Hottgenroth 18599 | Ingenieur- und Architekturbüros | Vollständige DIN V 18599, GEG-Nachweismodul integriert |
| EVEBI | Freiberufliche Energieberater | Cloud-basiert, mobile Erfassung vor Ort, BAFA-Export |
| ZUB Helena | Planungsbüros, Forschung | Detaillierte Bauteilmodellierung, Lebenszyklus-Analysen |
Tipp: Achten Sie darauf, dass die Software regelmäßig an aktuelle Förderbedingungen angepasst wird – insbesondere an Änderungen bei KfW 261 (Wohngebäude-Kredit), KfW 458 (Heizungsförderung) und den BAFA-Vorgaben für die Energieberatung.
Ablauf und Zeitaufwand: So entsteht ein individueller Sanierungsfahrplan Schritt für Schritt
Die Erstellung eines iSFP gliedert sich in fünf klar definierte Phasen, die zusammen zwischen vier und acht Wochen in Anspruch nehmen – abhängig von Gebäudegröße, Baujahr und Komplexität der geplanten Maßnahmen. Der gesamte Prozess ist durch die Richtlinie für Energieberatung für Wohngebäude des BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) geregelt und wird mit bis zu 80 % der Beratungskosten gefördert (maximal 1.300 Euro für Ein- und Zweifamilienhäuser, Stand 2026).
- Erstgespräch und Datenaufnahme (1–2 Wochen): Der Energieberater besichtigt das Gebäude, erfasst Gebäudehülle, Heizungs- und Lüftungstechnik, prüft Bauunterlagen und führt ein Aufnahmegespräch zu Sanierungszielen und Budget.
- Energetische Berechnung (1–2 Wochen): Eingabe aller Daten in die Software, Berechnung des Ist-Zustands nach DIN V 18599 oder DIN V 4708-6, Simulation verschiedener Effizienzhaus-Varianten (z. B. Effizienzhaus 85, 70, 55) und Einzelmaßnahmen.
- Variantenerstellung und Wirtschaftlichkeitsanalyse (1–2 Wochen): Der Berater entwickelt mindestens zwei Sanierungsvarianten (Schritt-für-Schritt-Sanierung über 15–20 Jahre und Komplettsanierung), berechnet Investitionskosten, Fördermittel (KfW 261, KfW 458, BAFA BEG EM), Energieeinsparung und Amortisationszeiten.
- Erstellung des iSFP-Dokuments (3–5 Tage): Automatisierte Generierung des iSFP-Berichts (inkl. grafischer Fahrplan, Maßnahmenkatalog, Fördermittel-Übersicht) durch die Software, Qualitätssicherung durch den Berater.
- Abschlussgespräch und Übergabe (1 Termin): Präsentation des fertigen iSFP, Erläuterung der Maßnahmen, Priorisierung, Fördermittelbeantragung und Handlungsempfehlungen – der iSFP wird digital und in Papierform übergeben.
Hinweis: Seit 2024 ist für die Beantragung von KfW 458 (Heizungsförderung) ein iSFP nicht mehr verpflichtend – allerdings erhöht ein bestehender iSFP den Fördersatz um 5 Prozentpunkte (iSFP-Bonus), was bei einer Wärmepumpen-Installation schnell 2.000–3.000 Euro Mehrförderung bedeuten kann.
Häufige Fragen
Was kostet die Erstellung eines individuellen Sanierungsfahrplans?
Die Erstellung eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) durch einen zertifizierten Energieberater kostet üblicherweise zwischen 1.300 und 2.500 Euro (Stand 2026). Die genaue Höhe hängt von der Gebäudegröße, der Komplexität der Bausubstanz und dem regionalen Honorarniveau ab.
Das BAFA fördert die Energieberatung für Wohngebäude mit bis zu 80 % der förderfähigen Kosten, maximal 1.300 Euro für Ein- und Zweifamilienhäuser bzw. 1.700 Euro für Wohngebäude ab drei Wohneinheiten. Nach Abzug der Förderung zahlen Eigentümer also typischerweise nur 200 bis 800 Euro selbst.
Wie lange dauert es, einen individuellen Sanierungsfahrplan zu erstellen?
Von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Übergabe des fertigen iSFP vergehen in der Regel 4 bis 8 Wochen. Diese Zeitspanne setzt sich aus mehreren Phasen zusammen:
- Erstgespräch und Terminvereinbarung: 1–2 Wochen
- Vor-Ort-Begehung: 2–4 Stunden (inkl. Aufmaß, Fotodokumentation, Heizungs- und Gebäudedatenaufnahme)
- Auswertung und Berechnung: 2–4 Wochen (Energiebilanz, U-Wert-Ermittlung, Variantenvergleich)
- Bericht-Erstellung und Abschlussgespräch: 1–2 Wochen
In der Heizungssaison (Oktober bis März) können Wartezeiten länger ausfallen, da Energieberater dann besonders ausgelastet sind.
Welche Software-Tools nutzen Energieberater für den iSFP?
Für die Erstellung eines BAFA-konformen iSFP setzen Energieberater auf zertifizierte Energieberater-Software, die den dena-Standard erfüllt. Marktführende Lösungen sind (Stand 2026):
- DIN V 18599 Module (z. B. in Hottgenroth ETU, EVEBI, Dämmwerk) — physikalisch detailliert, Bilanzierung nach DIN V 18599
- Energieberater 18599 (18599-Software GmbH) — modulares System für Wohn- und Nichtwohngebäude
- EVEBI (ennovatis) — cloudbasiert, mobile Datenerfassung, automatische iSFP-Berichtsgenerierung
- Hottgenroth ETU — Klassiker für Wohn- und Nichtwohngebäude, integrierte Fördermittel-Datenbank
Alle Tools müssen die dena-Formularvorlagen (Sanierungsfahrplan-Modul) unterstützen und die erforderlichen Energieausweise nach GEG 2023 ausstellen können. Zusätzlich setzen viele Berater auf digitale Aufmaß-Apps (z. B. MagicPlan, RoomSketcher) und thermografische Kameras zur Schwachstellenanalyse.
Wer darf einen individuellen Sanierungsfahrplan erstellen?
Einen förderfähigen iSFP darf nur ein beim BAFA gelisteter Energieberater für Wohngebäude erstellen. Voraussetzung ist eine Zulassung als Energieeffizienz-Experte in der dena-Expertenliste (oder gleichwertige Nachweise nach §88 GEG).
Typische Qualifikationswege sind:
- Architekten / Bauingenieure mit Fortbildung Energieberatung (mind. 200 UE nach BAFA-Richtlinie)
- Handwerksmeister (z. B. Maurer, Zimmerer, SHK) mit Zusatzqualifikation Gebäudeenergieberater (HWK)
- Energie- / Versorgungstechniker mit staatlich anerkannter Weiterbildung
Hinweis: Prüfen Sie die Zulassung Ihres Beraters vorab in der Energieeffizienz-Expertenliste unter www.energie-effizienz-experten.de. Nur dort gelistete Fachleute sind zur BAFA-Antragstellung berechtigt.
Warum ist der iSFP Voraussetzung für höhere KfW-Förderung?
Ein individueller Sanierungsfahrplan ist bei vielen KfW-Programmen keine Pflicht mehr, erhöht aber die Förderung um einen iSFP-Bonus von 5 Prozentpunkten (Stand 2026). Konkret bedeutet das:
- KfW 261 (Wohngebäude-Kredit): Basis-Fördersatz z. B. 20 % → mit iSFP 25 % Tilgungszuschuss
- BAFA BEG EM (Einzelmaßnahmen): Basis 15 % → mit iSFP 20 % Zuschuss (z. B. bei Dämmung oder Fenstertausch)
Der Bonus gilt, weil der iSFP eine aufeinander abgestimmte Sanierungsstrategie dokumentiert und das Risiko von Fehlinvestitionen (z. B. überdimensionierte Heizung vor Dämmung) reduziert. Er zeigt, welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge technisch und wirtschaftlich sinnvoll sind, und bietet einen 15-Jahres-Ausblick bis zum energetischen Zielstandard.
Tipp: Bei einer Investition von 50.000 Euro Sanierungskosten bedeuten 5 Prozentpunkte mehr Förderung 2.500 Euro zusätzliche Zuschüsse — oft mehr, als die Erstellung des iSFP (nach Förderabzug) kostet.